EU-Typgenehmigung

Der freie Warenverkehr und die damit verbundene Schaffung des Binnenmarktes sind zwei Erfolgsgeschichten der Europäischen Union. Der Binnenmarkt hat Handelshemmnisse abgebaut und erleichtert heute den Kauf und Verkauf von Produkten in 28 Mitgliedstaaten mit über 500 Millionen Einwohnern. Die stark exportorientierte deutsche Caravaning-Industrie setzt seit jeher einen Großteil ihrer sehr wettbewerbsfähigen Produkte in der EU ab. Im Jahr 2014 wurden 55,3 Prozent der Caravan- und 44,6 Prozent der Reisemobil-Produktion exportiert. Die Genehmigung von Reisemobilen und Caravans basiert auf der Rahmenrichtlinie 2007/46/EG zur EUTypgenehmigung. Während die EU-Typgenehmigung zunächst nur für Pkw möglich war, konnten seit Ende 1998 zunächst auf freiwilliger Basis auch Reisemobile nach EU-weiten Vorschriften genehmigt werden. Seit Oktober 2012 müssen Reisemobile nach den Vorschriften der EU-Typgenehmigung zugelassen werden, Caravans seit Oktober 2014. Aufgrund der im Jahr 2009 veröffentlichten Verordnung 661/2009 über die Sicherheit von Kraftfahrzeugen und Anhängern wurde zum 1. November 2014 das bisherige Typgenehmigungssystem von EG-Richtlinien weitgehend durch ECE-Regelungen ersetzt. Im Gegensatz zu den europaweit anwendbaren EU-Richtlinien sind ECE Regelungen in weiten Teilen der Welt anwendbar. Für die Hersteller von Freizeitfahrzeugen hat dies weitreichende Konsequenzen. Reisemobile sind ebenso wie Caravans als sogenannte „Fahrzeuge besonderer Zweckbestimmung“ durch den Anhang XI der Rahmenrichtlinie von zahlreichen Einzelvorschriften ausgenommen. So gehören Reisemobile ebenso wie Pkw der Fahrzeugkategorie M1 an, sind aber durch ihre besondere Zweckbestimmung von zahlreichen Einzelvorschriften ausgenommen, weil Reisemobile in der Regel auf Nutzfahrzeugchassis aufgebaut sind und die strengen M1-Vorschriften beispielsweise hinsichtlich Emissionen oder Geräuschentwicklung nicht erfüllen können. Die mit dem Übergang von EU-Richtlinien zu ECERegelungen verbundenen Änderungen bei der Konstruktion von Reisemobilen und Caravans wurden seit 2012 eng durch die CIVD-Gremien begleitet. Nach intensiver Vorarbeit durch den CIVD-AK „Homologation“ wurden in den Jahren 2013 und 2014 verschiedene Workshops insbesondere für die betroffenen Hersteller und Zulieferer in der CIVD-Mitgliedschaft durchgeführt. Auf dem CARAVAN SALON 2013 und 2014 wurden durch den CIVD sehr gut besuchte Workshops mit dem Kraftfahrt- Bundesamt veranstaltet. Auf Grundlage dieser Workshops mit allen beteiligten Stakeholdern veröffentlichte der CIVD entsprechende Branchenempfehlungen zur Anwendung der ab dem 1. November 2014 gültigen Vorschriften. Die Anwendung von ECE-Regelungen könnte für die bisher fast ausschließlich auf den europäischen Wirtschaftsraum ausgerichteten deutschen Freizeitfahrzeughersteller auch beim Export außerhalb Europas vorteilhaft sein. In mittlerweile 58 Staaten werden ECE-Regelungen anerkannt. Auch in China, dort entsteht gerade ein Regelwerk für Freizeitfahrzeuge, wird intensiv über die Anwendung von ECE-Regelungen nachgedacht.