Tempo 100 für Kombinationen

Bereits seit dem 22. Oktober 1998 können moderne Pkw-Caravan-Kombinationen unter bestimmten Voraussetzungen auf Bundesautobahnen und Kraftfahrstraßen mit getrennten Fahrstreifen 100 km/h fahren. Beim Caravan sind dies hydraulische Radstoßdämpfer und eine Bremse sowie Reifen, die nicht älter als sechs Jahre sein dürfen und mindestens der Geschwindigkeitskategorie L angehören müssen. Das Zugfahrzeug darf maximal 3,5 t wiegen und muss mit ABS ausgestattet sein. Die zulässige Gesamtmasse des Caravans darf hierbei höchstens 80 Prozent der Leermasse des Zugfahrzeugs betragen.

Der CIVD hatte sich zuvor viele Jahre intensiv für die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit für Gespanne von 80 auf 100 km/h eingesetzt und dazu zusammen mit seinen Partnern sicherheitstechnische Rahmenbedingungen formuliert. Die in der 9. Ausnahmeverordnung niedergelegte Tempo-100-Regelung für Kombinationen war zunächst bis zum 31. Dezember 2003 befristet und wurde in der Folge mehrfach (zeitlich befristet) verlängert.

Die 3. Verordnung zur Änderung der 9. Ausnahmeverordnung zur Straßenverkehrsordnung (StVO), die am 22. Oktober 2005 in Kraft trat, erweiterte den Teilnehmerkreis zur Tempo-100-Regelung für Kombinationen erheblich. Nach Erhebungen des CIVD bewirkt die Anhebung des Massenfaktors von 0,8 auf 1,0 eine Erhöhung des potenziellen Teilnehmerkreises von 20 auf 80 Prozent der aktuell im Markt befindlichen Pkw-Caravan-Kombinationen. Die Zahl der Tempo-100-Kombinationen wird ab dem Jahr 2006 weiter stark zunehmen.

Die Verantwortung, ob die Voraussetzungen der 9. Ausnahmeverordnung gegeben sind, liegt bei Neufahrzeugen zunächst beim Caravan-Hersteller und danach beim Fahrzeugführer. Der Endkunde erhält direkt bei der Zulassungsstelle eine gesiegelte Tempo-100-Plakette und muss vorher nicht mehr einen Sachverständigen aufsuchen. Die neue Tempo-100-Regelung lässt jetzt auch die freie Austauschbarkeit von Zugfahrzeug und Anhänger zu. Die Plakette muss nur noch am Anhänger angebracht werden. Die Verantwortung, ob die Kombination die Voraussetzungen erfüllt, obliegt dem Endkunden.

Für den Tempo-100-Betrieb gelten folgende Neuerungen:

  • Übergabe einer Stützlastempfehlung an den Endkunden bei Auslieferung des Caravans.

  • Die zulässige Gesamtmasse des Anhängers darf kleiner oder gleich der Leermasse des Zugfahrzeugs sein, wenn der Anhänger mit einer Stabilisierungseinrichtung gemäß ISO 11555-1 der Fassung vom 1. Juli 2003 ausgestattet ist.

  • Als gleichwertig wird anerkannt, wenn der Caravan mit anderen technischen Einrichtungen zur Stabilisierung versehen ist, die laut Gutachten (ABE oder Betriebserlaubnis) einen sicheren Betrieb der Kombination bis 120 km/h garantieren oder wenn das Zugfahrzeug mit einem speziellen elektronischen, fahrdynamischen Stabilitätssystem für Anhängerbetrieb ausgestattet ist.

  • Bereits auf dem Markt befindliche Caravans und Anhänger können entsprechend nachgerüstet werden. Die Erfüllung der Voraussetzungen muss jedoch in diesem Fall zuerst von einem amtlich anerkannten Sachverständigen bestätigt werden, bevor die Straßenverkehrsbehörde aufgesucht werden kann.

Diese Regelung war zunächst bis zum 31. Dezember 2010 befristet und wurde mittlerweile dauerhaft (unbefristet) als 9. Ausnahmeverordnung zur StVO übernommen.