


Nach der Erweiterung der europäischen Union um zahlreiche Staaten Osteuropas hat sich in den vergangenen Jahren der Caravaningtourismus in den Beitrittsländern enorm entwickelt. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Tourismusforschung an der Universität München, dwif und die European Caravan Federation, ECF haben die neuen Märkte erstmals näher untersucht.
Das dwif errechnete für die Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bulgarien und Rumänien insgesamt 18,75 Millionen Übernachtungen auf rund 1.300 Campingplätzen. Aus diesen Übernachtungen sowie den touristischen Ausgaben am Urlaubsort ergibt sich ein Umsatz von 600 Millionen Euro der in diesen Ländern durch Camping- und Caravaningtourismus generiert wird. Die von der European Caravan Federation ECF in Auftrag gegebene Studie errechnet zugleich für Westeuropa einen Umsatz durch den Campingtourismus von 15,33 Milliarden Euro. Insgesamt werden also in West- und Osteuropa 15,93 Milliarden Euro durch Caravaningtourimus erwirtschaftet.
Das dwif errechnete für Gesamteuropa 393,75 Millionen Camping- und Caravaningübernachtungen. Dabei handelt es sich um rein touristische Übernachtungen, also ohne Dauercamping. Diese enorme Zahl übertrifft die Anzahl aller Übernachtungen in allen Beherbergungsbetrieben und Beherbergungsformen in Deutschland in einem Jahr. Allein die Ausgaben für diese Übernachtung auf über 26.000 Campingplätzen in Ost- und Westeuropa summieren sich auf 3,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch weitere touristische Ausgaben etwa für Verpflegung, Unterhaltung oder kulturelle Angebote, die sich auf 9 Milliarden Euro summieren. Der aus den Übernachtungen auf Campingplätzen resultierende Umsatz beläuft sich somit auf rund 12,6 Milliarden Euro.
Caravaningtourismus findet jedoch nicht ausschließlich auf dem Campingplatz statt. Die immer moderner und beliebter werdenden Reisemobile verfügen über ein hohes Maß an Selbstständigkeit und sind dadurch nicht zwingend auf die Infrastruktur eines Campingplatzes angewiesen. Daher ergeben sich durch den Reisemobiltourismus weitere 50 Millionen Übernachtungen außerhalb von Campingplätzen. Hierzu ist eine neue Form der Übernachtungsmöglichkeit entstanden, der Reisemobilstellplatz. Die einschlägigen Verzeichnisse listen mittlerweile über 4.000 solcher Stellplätze für Reisemobile in Europa auf. Weitere 40 Millionen Tagesausflüge ohne Übernachtung runden die Bilanz der Caravaningtouristen ab. Durch Tagesausflüge und Übernachtungen auf Reisemobilstellplätzen entstehen so nochmals 3,33 Milliarden Euro Umsatz.
In der Summe addiert sich also der Umsatz durch den Camping- und Caravaningtourismus in Europa auf 15,93 Milliarden Euro.
Die European Caravan Federation ECF errechnet anhand der Angaben ihrer Mitglieder zusätzlich einen Umsatz durch Anschaffung von Freizeitfahrzeugen und weiterer Ausrüstung von 12,4 Milliarden Euro pro Jahr. Davon entfallen 5,56 Milliarden Euro auf Neufahrzeuge, 5,04 Milliarden auf Gebrauchtfahrzeuge, 1,16 Milliarden auf Zubehör sowie 0,63 Milliarden Euro auf Wartungsleistungen. Gemeinsam mit den Ausgaben für den Caravaningtourismus entstehen so 28,33 Milliarden Euro Umsatz in Europa.
dwif-Studie "Wirtschaftsfaktor Campingtourismus in Europa
ECF-Präsentation "Campingtourismus in Osteuropa" (engl. Version only)