10.10.2007

Öko-Institut untersucht Umweltauswirkungen von Motorcaravanreisen

 

Darmstadt/Düsseldorf 15. August 2007

Im Auftrag des CIVD führt das Öko-Institut e.V. aktuell die Untersuchung
?Vergleichende Stoffstromanalyse Motorcaravanreise? durch. Die Fachleute des Öko-Instituts bilanzieren in dieser Arbeit die Umweltauswirkungen von Motorcaravanreisen für verschiedene Reisen (Kurzreisen, Jahresurlaub mit längeren Wegstrecken usw.) sowie im Vergleich mit anderen Reiseformen. Wichtigste untersuchte Umweltgröße ist die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen, aber auch klassische Luftschadstoffemissionen wie z. B. Stickoxide und Vorläuferverbindungen für bodennahes Ozon werden bilanziert.

Die Arbeit des Öko-Institut wird bis Ende September 2007 abgeschlossen und dann vom CIVD veröffentlicht werden. Im folgenden werden aus der Arbeit einige bereits jetzt verfügbare Trendaussagen und ausgewählte wichtige Zwischenergebnisse in Kürze zusammengefasst.

Hervorzuheben ist zunächst, dass die reine Übernachtung in einem Wohnmobil
(Unterkunft und Verpflegung) im Vergleich zu anderen Übernachtungsformen die mit Abstand geringsten Treibhausgasemissionen (Einheit CO2-Äquivalente) verursacht. So verursacht in Europa die Übernachtung eines mit 2 Personen besetzten Wohnmobils (Stellplatzübernachtung) je Person Emissionen von rund 1 kg Treibhausgasen je Übernachtung. Im Falle der Übernachtung auf einem Campingplatz schlagen gut 5 kg CO2-Äquivalente je Übernachtung zu Buche, im Falle eines Hotelaufenthalts (Sommer) werden im europäischen Durchschnitt jedoch mehr als 12 kg CO2-Äquivalente je Übernachtung emittiert.

Im Vergleich der Verkehrsmittel schneidet das Wohnmobil sowohl bei der Besetzung mit zwei Personen (149 g CO2-Äquiv. je Personenkilometer) aber erst recht bei der Besetzung mit vier Personen (74 g CO2-Äquiv./Pkm) vergleichweise gut ab: Die Reise mit der Bahn verursacht 80 g, der Inlandsflug 201 g und die Flugreise innerhalb Europas 283 g CO2-Äquiv./Pkm.

Im Fall einer 14-tägigen Urlaubsreise nach Südfrankreich (ab Frankfurt/Main, 4 Personen) schneidet die Reise mit dem Wohnmobil bei Bilanzierung aller Aufwendungen (Verpflegung, Unterkunft, An- und Abreise, Mobilität vor Ort) bei der Emission an Treibhausgasen mit am günstigsten ab. Dies gilt vor allem bei Übernachtung auf einfachen Stellplätzen (gut 200 kg CO2-Äquiv.pro Person und Reise) aber auch wenn ein Campingplatz zur Übernachtung gewählt wird (weniger als 300 kg CO2-Äquiv.). Der entsprechende Südfrankreichurlaub mit dem Verkehrsmittel Flugzeug (Hotelübernachtung, Mietwagen) verursacht demgegenüber jedoch mehr als 650 kg CO2-Äquivalente je Reise.

Interessant ist nicht zuletzt auch eine Gegenüberstellung der Treibhausgasemissionen von Motorcaravanreisen mit allen übrigen Reisen. Das Öko-Institut errechnete für Motorcaravanreisen im Durchschnitt 0,61 t CO2-Äquiv. je Reise, für alle übrigen Reisen liegt der Wert im Durchschnitt mit 0,95 t CO2-Äquiv. je Reise um gut 50% höher. Dabei ist in die Bilanzierung eingegangen, dass beispielsweise Australienurlauber nicht selten Wohnmobile zur Erkundung des Urlaubsgebietes wählen. Im Bereich der Schadgasemissionen lässt sich sagen, dass der Beitrag der Wohnmobile hier stark von der Alters- bzw. Emissionsklasse abhängt. Hier sind in den nächsten Jahren durch die fortlaufende Erneuerung der heutigen im Betrieb befindlichen Motorcaravanflotte durch neue, emissionsarme Fahrzeuge erhebliche Minderungen zu erwarten.

Abschließend kann festgehalten werden, das im Bereich der Treibhausgasemissionen die Reiseform Wohnmobil einerseits positiv durch relativ geringe Aufwendungen für die eigentliche Übernachtung abschneidet und andererseits mit dem Wohnmobil stärker nähere Reiseziele in Deutschland und im benachbarten europäischen Ländern angesteuert werden ? mit entsprechend geringeren Emissionen im Vergleich zum Durchschnitt anderer Reiseformen.

Dr. Matthias Buchert
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
m.buchert@oeko.de

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