
Schon Ende 2008 zeichnete sich ab, dass 2009 ein schwieriges Jahr werden würde: Im letzten Quartal 2008 sank das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das setzte sich 2009 kontinuierlich fort, und erst im III. und IV. Quartal verlangsamte sich der freie Fall (III. Quartal: minus 4,7 Prozent, IV. Quartal: minus 1,7 Prozent). Im Frühjahr 2009 stieg der Index des Konsumentenklimas und ließ auf eine rasche wirtschaftliche Erholung hoffen. Ab August 2009 fiel der Index allerdings wieder; seit dem scheint die Krise langsamer abzuflauen, als von vielen vorhergesagt.
Auch die deutsche Caravaningindustrie hat in der Rezession gelitten. Der Gesamtumsatzder Branche fiel von Januar bis Dezember 2009 um 21,4 Prozent auf 4,11 Milliarden Euro (2008: 5,22 Milliarden Euro). Am heftigsten traf es den Absatz von Neufahrzeugen, der von 2,9 Milliarden Euro auf 1,82 Milliarden Euro sank (minus 37,4 Prozent). Um etwas mehr als 16 Prozent gab das Zubehörgeschäft nach, in dem 429 Millionen Euro umgesetzt wurden. Gegen den Trend entwickelte sich das Geschäft mit gebrauchten Freizeitfahrzeugen, das um fast 3 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zulegen konnte. Auch der sonst sehr starke Export von deutschen Caravans und Reisemobilen hat in 2009 deutlich nachgelassen. Es wurden lediglich 22.580 Caravans (minus 29,8 Prozent) und 11.451 Reisemobile (minus 37,5 Prozent) ins Ausland verkauft; im Jahr davor waren es noch 32.165 Caravans und 18.309 Reisemobile. Somit wurden etwa 60 Prozent der neu produzierten Caravans und 50 Prozent der Reisemobile ausgeführt.
Das Deutsche Institut für Wirtschaft, Berlin rechnet für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent. Gleichzeitig bleiben die Preise mit einer Inflationsrate von etwa 1 Prozent weitgehend stabil. Dies geht aus der Konjunkturprognose des Instituts hervor. Die schwere Wirtschaftskrise hält das DIWBerlin noch nicht für überwunden: "An den Folgen der Krise werden wir noch lange zu tragen haben", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Erst gegen Ende 2011 werde Deutschland wieder die Wirtschaftskraft von Mitte 2008 unmittelbar vor den dramatischen Produktionseinbrüchen erreicht haben. Nach Auffassung der DIW-Experten wird die Konjunktur in Deutschland vor allem von der Nachfrage im Inland gestützt. Für die Exporte ist zumindest für 2010 mit einer schwach positiven Entwicklung zu rechnen. Tatsächlich dürfte Deutschland nicht in gewohntem Maße von der Erholung des Welthandels profitieren - die Dynamik der Exporte wird bis Ende 2010 schwächer sein als die des Welthandels. Grund dafür ist die Spezialisierung der deutschen Exporte auf Maschinen und andere Investitionsgüter, für die derzeit nur geringe Nachfrage besteht. Erst 2011 dürfte eine Normalisierung eintreten und die deutsche Ausfuhr wieder im Gleichklang mit dem Welthandel wachsen.
Die Caravaningindustrie geht daher mit zurückhaltenden Erwartungen ins neue Jahr. Für 2010 erwarten die deutschen und europäischen Caravan- und Reisemobil-Hersteller einen rückläufigen Markt um einstellige Prozentzahlen. Aufgrund der stark geschrumpften Lagerbestände werden aber sowohl die Produktion als auch der Umsatz leicht ansteigen, vermuten die Unternehmen.
Knapp 60 Prozent der Caravan-Hersteller rechnen mit weniger, die restlichen 40 Prozent mit stabilen bis leicht steigenden Verkäufen. Dass sich der Caravan-Export nicht verändern wird, glauben 40 Prozent der Firmen, 30 Prozent gehen von einem leichten Anstieg, weitere 30 Prozent von einem leichten Abschwung des Exports aus. Etwas optimistischer blicken die Hersteller von Reisemobilen in die Zukunft: 78 Prozent halten stabile bzw. leicht steigende Verkäufe für wahrscheinlich, wogegen 22 Prozent mit leichten Rückgängen kalkulieren. Auch vom Export erhoffen sich die Reisemobil-Hersteller Impulse: 48 Prozent sehen den Export auf dem Niveau von 2009, 38 Prozent vermuten sogar mehr Verkäufe ins Ausland. Nur 14 Prozent erwarten ein rückläufiges Exportgeschäft.
Dipl.-Kaufmann
Ralf Daelen
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